Apr 7 2016

Glockengießerei nach Theophilus Presbyter

Bastian Asmus

Glockengießerei nach Theophilus Presbyter. Photo: Oliver Bonstein

Guss der Glockenspeise während des Gusses einer Bienenkorbglocke. Photo: © Oliver Bonstein 2015.

Im neuesten Anschnitt ist soeben ein Artikel zur experimentellen Glockengießerei nach Theophilus Presbyters Glockengusskapitel erschienen .

Der Artikel behandelt neben der Beschreibung des archäometallurgischen Versuchs auch die archäologischen und historischen Quellen zur Glockengießerei. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rekonstruktion des Formstoffs, sowie der Rekonstruktion eines von Theophilus Presbyters beschriebenen Schmelzofen, der nach dem Kaminprinzip arbeitet. Überlegungen und Berechnungen zum Energiebedarf runden den Artikel ab. Es konnte z.B. gezeigt werden, dass mit Theophilus‘ Ofen eine Metallmenge von 44 kg Glockenspeise (CuSn20) mit nur 36 kg Holzkohle schmelzen ließ.

Abstract

article-iconDer Autor Theophilus Presbyter hat uns ein sehr umfangreiches Manuskript hinterlassen in welchen er den Stand der Technik des 12. Jahrhunderts dokumentiert. Er behandelt darin Malerei, Glasherstellung, Goldschmiedekunst, Schmieden, Orgelbau und die Gießerei. Außerdem wird beschrieben, welche Werkzeuge notwendig und wie diese herzustellen sind.

Ein Kapitel ist dem Glockenguss gewidmet. Es ist das umfangreichste in Theophilus‘ Schedula und beschreibt den Prozess sehr detailliert. Dieser Artikel beschreibt einen Versuch zum Glockenguss, der sich an die Vorschriften aus Theophilus Presbyters gleichnamigen Kapitel hält und dabei die archäologischen Funde und Befunde zum frühen Glockenguss berücksichtigt.

Literatur


Jan 25 2016

Älteste Glockengussgrube Deutschlands entdeckt

Bastian Asmus

 

Glockengießgrube Dülmen

Dülmen, IGZ. Glockengussgrube während der Freilegung noch mit Profilstegen. Foto: Gerard Jentgens, LWL.

Vermutlich älteste Glockengussgrube Deutschlands

Archäologen vom Landschaftsverband Westphalen Lippe LWL haben bei einer Stadtkerngrabung in Dülmen Befunde entdeckt, bei denen es sich um eine Gießgrube für einen Glockenguss aus dem 9. Jahrhundert handeln könnte. Naturwissenschaftliche Untersuchen legen eine Datierung der Glockengussgrube in das 8./9, Jahrhundert nach Christus nahe. Solche Gruben sind notwending um große Gegenstände zu gießen. Wie man sich den karolingischen Glockenguss  vorstellen kann habe ich ja erst kürzlich hier beschrieben. Um so mehr freut es mich, dass es nun offensichtlich einen neuen Befund zum frühen Glockenguss gibt. Ob es sich bei dem Befund tatsächlich um eine Glockengussgrube handelt, geht aus dem kurzen Bericht jedoch nicht zwingend hervor, denn es gibt keine Belege für Fragmente einer Glockengussform. Es ließe sich argumentieren, das es sich um eine Gießgrube handeln könnte, in der andere Dinge gegossen wurden, obwohl gesagt werden muss, dass die größten gegossenen Objekte des 8./9. Jahrhunderts wohl Glocken gewesen sein dürften. Für kleinere Gussarbeiten benötigte man keine größeren Gruben.

Laut Grabungsleiter Dr. Gerard Jentgens sind Holzkohlenreste, Tiegelfragmente und oxidierte Buntmetallreste gefunden worden, die den Schluss nahe legen, dass es sich um eine Grube zum Glockenguss handeln könnte. Die Nennung der Tiegelreste ist hoch interessant, denn in dieser Zeit gibt es noch keine Nachweise für die Art und Weise, wie das Metall geschmolzen wurde.  Für das 12. Jahrhundert kennen wir Theophilus Presbyters Beschreibung . Dieser beschreibt aber einen Abstichofen, keinen Tiegelofen. In Ermangelung älterer Nachweise haben wir bisher so argumentiert, dass Theophilus eine Technik beschreibe, die auch schon vor seiner Zeit zur Anwendung kam. Weiters wird bisher davon ausgegangen, dass die Tiegelmaterialien keine genügenden Tiegelgrößen zu ließen, um das Metall für eine Kirchenglocke des 8./9. Jahrhunderts zu gießen. Die Glocke von Canino wog 48 kg, die Glocke aus Haithabu um die 35 kg.

Das entspräche einer Tiegelgröße mit einem Fassungsvermögen von mindestens 40 kg Metall. Zur Erinnerung: 40 kg Metall entsprechen in etwa 4 l flüssigem Metall, was mindestens einem Tiegeldurchmesser von etwa 22 cm Außendurchmesser und einer Höhe von 28 cm entspräche. Möglich wäre natürlich auch der Weg den ich in meinem Versuch eingeschlagen habe: Das Gießen aus mehreren kleinen Tiegeln. Es ist also sehr spannend, wie die Tiegel zu diesem Befund aussehen, wie die Keramikreste aussehen, oder welche weiteren, in er Pressemitteilung nicht genannten, Beobachtungen zu dem Schluss führten, dass es sich um eine Glockengussgrube handelt.

Ein ähnlich alter Befund stammt aus England und wurden on Justine Bayley und Kollegen  bearbeitet . Hier war allerdings der Nachweis des Glockengusses einfacher, da Formfragmente gefunden wurden.

Ich werde hier berichten, soweit weitere Details vorliegen.

Referenzen

Links

http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?urlID=38349

 

 


Jan 3 2016

Remote capture mit Ubuntu, ein Update

Bastian Asmus

Ich benutze schon seit geraumer Zeit darktable um mit Ubuntu ferngesteuerte Aufnahmen zu machen. Dieses „tethered shooting“ oder „remote capture“ funktionierte unter 12.04 solange man nicht am USB 3.0 Port hing. Die Kamera muss vorher aus dem Dateisystem ausgehängt werden, so dass darktable auf die Kamera zu greifen kann. Allerdings musste man – und muss es immer noch – darktable jedes Mal neu starten hatte, falls die Kamera abgeschaltet wurde.

Unter Ubuntu 14.04 lief darktable 1.6 wunderbar „out of the box“ ohne, das irgendwelche Schwierigkeiten auftraten. Unter Ubuntu 15.10 bekam ich darktable 1.6 zwar zum Laufen, aber die Kamera ließ sich auch mit gr0ßem Aufwand nicht für remote capture Aufnahmen einbinden, obwohl es mit gphoto2 funktionierte. gphoto2 ist die Bibliothek die darktable nutzt um eine Kamera fernzusteuern. Der Befehl:

lieferte folgenden Ausdruck

so dass ich den  Fehler nur bei der Programmierung von darktable vermuten kann.

Seit Weihnachten 2015 ist darktable 2.0 verfügbar und jetzt funktioniert darktable auch problemlos unter Ubuntu Wily. Auch ein Bug, der die Software abstürzen ließ, wenn man in der Auswahl der Verschlusszeiten aus Versehen auf 0.4s scrollte ist nun behoben. Sehr schön!

Da darktable 1.6 nicht unter Wily funktionierte habe ich mich intensiver mit entangle 0.6 auseinandergesetzt, das in den Paketquellen vorhanden ist. Im Gegensatz zu vor zwei Jahren, läuft das Programm nun stabil genug um Aufnahmen damit zu machen. Ich hätte das Programm auch gerne eingesetzt, da es eigentlich alles bietet, was ich mir gewünscht habe. Leider habe ich jedoch keine funktionierende Vorschau erhalten, bzw. konnte ich die Kamera nicht überzeugen in LiveView Modus scharf zu stellen, bevor ich auslöste.

Da nun darktable 2.0 endlich problemlos unter Ubuntu funktioniert um remote capture im LiveView Modus durchzuführen, steht einer produktiven Arbeit mit darktable nun nichts mehr im Wege.

 


Okt 24 2015

Glocke der Karolingerzeit – Fazit zum Experiment

Bastian Asmus
Die fertig gegossene Glocke.

Die Glocke nach dem Guss. Sie klingt, aber sie ist unvollständig. Die hellen Stellen sind Reste des noch anhaftenden Formmaterials.

Der Klang der Glocke entspricht den Erwartungen an eine Bienenkorbglocke des 9. Jahrhunderts, und zeigt dass der Gießer weniger Einfluss auf den Klang der Glocke hatte, als das der Fall für die späteren Glocken mit Zuckerhutform der Fall ist. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die Glocke noch im ungeputzten Zustand angeschlagen wurde. Mit Sicherheit können wir noch einen etwas schöneren Klang erreichen, wenn die Glocke geputzt ist. Sowie ich das erledigt habe, werde ich das hier veröffentlichen.

Die Glocke ist gegossen

Lange hat es gedauert bis es soweit war. Ich habe die vorhergehenden Schritte hier und hier und hier beschrieben. Noch genauer habe ich das hier beschrieben .  Am Montag, den 19.10.15,  nach zwei Nachtschichten die ich mit dem Hüten des Feuers verbracht hatte, war es soweit: Die Glockengussform war trocken, das Metall war bereit gelegt und das Wetter schien mit zu spielen: Die Bienenkorbglocke konnte auf dem Campus Galli gegossen werden. Gegen 6.00 morgens machte ich mich daran den Arbeitstag vorzubereiten: Der Schmelzofen musste vorgeheizt werden, die Glockenform musste am unteren Ende noch verschlossen werden, die Tiegel mussten vor der Verwendung ausgeheizt werden, die Grube mit Erde aufgefüllt werden….

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Sep 23 2015

Glockenguss, die zweite

Bastian Asmus
Für den Glockenguss in der Karolongerzeit wurde ein Wachsmodell der Bienkorbglocke benötigt.

Das fast fertige Wachsmodell einer Bienenkorbglocke. Darunter ist noch der Kern der Glockengussform erkennbar. Die umlaufende Nut verbessert den Halt des äußeren Formlehmmantels

Auf dem Campus Galli führe ich einen archäometallurgischen Versuch durch: Es soll eine karolingische Bienenkorbglocke mit der Technik des 9. Jahrhunderts zu gegossen werden. Dies ist bereits der dritte Teil meines Erfahrungsberichts…

Der Aufbau des Wachsmodells für den Glockenguss

Wie ist das Wachsmodell der Bienenkorbglocke entstanden? Begonnen habe ich mit dem Kern, den ich im Juni hergestellt hatte, und der nun 10 Wochen Zeit hatte zu trocknen. Nach dem Aufbau der Drehspindel, wurde zunächst das Bienenwachs erwärmt und zu gleichmäßig starken Platten ausgerollt. Hierzu habe ich mir nach  Theophilus Anweisungen aus einem Holzbrett, einem runden Holz und zwei Leisten ein Werkzeug gemacht , das es mir erlaubt gleichmäßig starke Platten aus zu rollen:

Glockenguss: Ein Werkzeug um gleichmäßig starke Wachsplatten zu machen.

Nicht in seinem Kapitel zum Glockenguss, sondern im Kapitel zur Herstellung des gegossenen Rauchfasses erteilt Theophilus Anweisungen, wie man sich ein Werkzeug zum Ausrollen gleichmäßig starker Wachsplatten macht.

Glockenguss: Zuschneiden der Bienenwachsplatten für das Wachsmodell der Bienenkorbglocke.

Abschneiden der ungeraden Wachs-ränder. Die Platten des Wachsmodells für den Glockenguss lassen sich dann schöner aneinander fügen.

Glockenguss: Wachsmodell in der Herstellung

Rechts zu sehen sind die einzelnen Wachsplatten aus denen das Wachsmodell der Bienenkorbglocke modelliert wird.

Im Falle unserer Bienenkorbglocke sind dies gut 6,5 mm starke Leisten, so dass die Wandstärke der Glocke nach dem Modellieren etwas unter 6 mm betragen wird. Die ausgerollten Platten wurden im noch warmen Zustand auf den Lehmkern aufgebracht und ordentlich angedrückt. Erstaunlich sind hierbei zwei Dinge. Erstens, lässt sich das am Feuer aufgewärmte Wachs sehr gut dünner walzen, und zweitens haftet das warme Wachs mühelos am trockenen Lehmkern. Schneidet man die Kanten des gewalzten Wachses gerade, lassen sich die Platten mühelos miteinander verbinden. Mit einem heißen Eisen wurden die Nähte verschweißt. Das Werkzeug das hierbei zur Anwendung kam wurde von Johannes dem Campus Galli Schmied angefertigt und erledigte seine Aufgabe in hervorragender Weise. Continue reading


Jul 18 2015

Der unredliche Glockengießer

Bastian Asmus
Notker_der_Stammler

Notker Balbulus, auch Notker von St. Gallen. Autor der Notkeri Gesta Karoli. Miniatur aus dem 10. Jahrhundert. Quelle: Gemeinfreies Bild. Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

Heute soll es um eine spannende Quelle des 9. Jahrhunderts gehen, mit der mich Erik Reuter vom Campus Galli Projekt im Rahmen des Glockengusses bekannt machte. Bezeichnenderweise geht es dabei um den unredlichen Glockengießer, der den edlen und gerechten Kaiser Karl (den Großen) hinter’s Licht führte und dafür seine gerechte Strafe erhielt. Die Quelle, Notkeri Gesta Caroli entstand erst etliche Jahrzehnte nach Karls Tod. Sie stammt aus der Feder des Notker von St. Gallen, genannt der Stammler, und trägt bereits einiges zur Legendenbildung um Karl den Großen bei;  so auch mit dieser, wenngleich für den Glockengießer weniger amüsanten Anektdote .

40. Der unredliche Glockengießer (800-814)

Dort war auch ein Künstler, der in allen Erz- und  Glasarbeiten alle anderen übertraf. Als nun der Mönch Tanco von Sankt Gallen eine vortreffliche Glocke goß und der Kaiser sich nicht wenig über ihren Klang wunderte, da sprach jener überragende, aber unglückliche Meister im Erzguss: Herr Kaiser, laß mir viel Kupfer herbeischaffen, damit ich es läutere, und statt Zinn laß mir Silber geben, soviel ich brauche, wenigstens hundert Pfund, und ich gieße Dir eine Glocke, daß verglichen mit ihr diese Glocke verstummt. Da ließ der freigebigste der Könige, der trotz seines Reichtums, den er im Überfluß hatte, doch sein Herz nicht daran hing, ihm ohne weiteres alles, worum man bat, zur Verfügung stellen. Jener Elende nahm das alles und ging fröhlich hinweg. zwar schmolz und läuterte er die Glockenspeise, aber statt des Silber verwendete er reinstes Zinn und brachte so in kurzer zeit eine Glocke, viel besser als die vortrefflichste, aus der Mischmasse fertig, und nachdem sie geprüft war, zeigte er sie dem Kaiser. Dieser bewunderte sie sehr wegen ihrer unvergleichlichen Schönheit, dann ließ er den Klöppel einfügen und sie im Glockenturm aufhängen. Dies geschah unverzüglich, aber als der Küster der Kirche und die übrigen Kapläne, auch fahrende Schüler einander ablösend sie zum Läuten bringen versuchten, brachten sie nichts zuwege. Schließlich griff unwillig der Schöpfer des Werks und Urheber des unerhörten Betrugs zum Seil und zog die Glocke. Und siehe da kam aus ihrer Mitte der Klöppel herab auf sein Haupt mit seiner Sündhaftigkeit, drang durch seinen bereits toten Leib und kam mit seinen Eingeweiden und seinem Gemächte zu Boden. Die erwähnte Silbermasse aber wurde aufgefunden und der gerechte Karl ließ sie unter den Armen verteilen.

Mit dem Mönch Tanco von St. Gallen wird ein erfahrener Glockengießer genannt, der von Karl dem Großen beauftragt wurde eine bronzene Glocke für die Aachener Münsterkirche zu gießen .

Literatur