Metall, Schlacke und Keramik | archaeometallurgie.de
Jan. 26 2026

Bronzetüren: Mittelalterlicher Monumentalguss zwischen Technik und Werkstattpraxis – neue Artikel!

Bastian Asmus
Ein aus Photogrammetriedaten errechnetes Orthophoto der Türen von Hildesheim.

Monumentale Bronzetüren des Hochmittelalters werden meist vor allem kunsthistorisch diskutiert. Ihre technische Seite bleibt dabei häufig nur ausschnitthaft erschlossen. Zwei eng miteinander verbundene Studien widmen sich genau dieser Lücke und untersuchen die großen Bronzetüren von Hildesheim, Mainz und Augsburg aus material- und gießtechnischer Perspektive.

Die erste Studie betrachtet alle drei Bronzetüren vergleichend (Mödlinger et al 2026). Auf Grundlage chemischer Analysen und technischer Fragestellungen werden Legierungswahl, Gussstrategie und praktische Umsetzbarkeit diskutiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bronzetüren weder technisch homogen noch als singuläre Ausnahmewerke zu verstehen sind. Vielmehr spiegeln sie jeweils spezifische Entscheidungen, Zwänge und Prioritäten innerhalb der mittelalterlichen Gießerei wider.

Die zweite Studie konzentriert sich auf die Hildesheimer Bronzetüren und legt den Schwerpunkt stärker auf prozessuale Aspekte (Cziegler et al 2025). Mithilfe von Gusssimulationen lassen sich thermische Abläufe, Erstarrungsfolgen und potenzielle Risikozonen während des Gusses eingrenzen. Diese Modelle ersetzen keine historischen Quellen. Sie erlauben jedoch, technisch plausible Abläufe von unwahrscheinlichen zu trennen und mögliche Werkstattpraktiken einzugrenzen.

Bronzetüren und ihre Fertigung: Methodischer Ansatz

Zentral ist dabei der methodische Ansatz. Ziel ist es nicht, historische Gießprozesse so zu beschreiben, als wären sie direkt beobachtet worden, oder moderne metallurgische Konzepte rückwirkend auf das Mittelalter zu übertragen. Stattdessen geht es darum, den damaligen Wissenshorizont zu erfassen und zu fragen, welche technischen Konzepte, Erfahrungswerte und Lösungsstrategien überhaupt zur Verfügung stehen konnten.

Der Zugriff erfolgt bewusst chronologisch von unten nach oben. Nicht im Sinne einer hierarchischen Entwicklung, sondern ausgehend von Materialeigenschaften, Prozesszwängen und handwerklichen Routinen. Auf dieser Grundlage lassen sich plausible Hypothesen formulieren, wie sich gießtechnische Praxis entwickelte und wie konkrete Herausforderungen bewältigt wurden. Diese Hypothesen sind bewusst offen angelegt. Sie sollen den Interpretationsraum eingrenzen, nicht abschließen.

Zusammenarbeit mit Gapamet Projekt

Beide Arbeiten entstanden im Kontext einer engen Zusammenarbeit mit dem Gates to Paradise Project GAPAMET-Projekt , das sich der interdisziplinären Erforschung mittelalterlicher Bronzetüren widmet. In den vergangenen zwei Jahren hat unser Labor eng mit dem Team um Marianne Mödlinger, der Projektleiterin von GAPAMET, zusammengearbeitet. Diese Kooperation bildete den Rahmen für viele der materialwissenschaftlichen und gießtechnischen Fragestellungen der beiden Studien.

Weitere Informationen zum Projekt:
https://www.gapamet.imareal-sbg-ac-at/en/

Hier findet sich ein thematisch verwandter Beitrag aus dieser Zusammenarbeit, der in ein eigenes Paper (Asmus et al 2025) ganz speziell zu den Werkstattpraktiken mündete.

Artikel

Die beiden Artikel sind hier zugänglich:
https://doi.org/10.1007/s40962-025-01857-4
https://doi.org/10.1007/s40962-025-01820-3

Literatur

Asmus, Bastian, Martin Fera, and Marianne Mödlinger. 2025 ‘Deconstructing Barisanus’ Medieval Casting Technology Based on Digital Twins’. Scientific Reports 15, no. 1 (3 March 2025): 7419. doi:10.1038/s41598-025-91168-9.
 
Cziegler, Andreas, Bastian Asmus, Martin Fera, and Marianne Mödlinger. 2025‘Casting Mediaeval Monumental Bronzes: The 11th Century Door from Hildesheim, Germany’. International Journal of Metalcasting, 27 December 2025. doi:10.1007/s40962-025-01820-3.
 
Mödlinger, Marianne, Bastian Asmus, Martin Fera, Juditz Utz, and Giorgia Ghiara. 2026  ‘Casting Monumental Bronzes in Central Europe in the High Middle Ages: The Doors of Hildesheim, Mainz, and Augsburg’. International Journal of Metalcasting, 25 January 2026. doi:10.1007/s40962-025-01857-4.


Jan. 19 2026

Neuer Artikel zu sehr altem Stahl in Iberien

Bastian Asmus

Untersucht wurde die Arbeitskante eines Meißels aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. aus Südwestiberien. In einer ersten Studie hatten wir das Eisen des Meißels bereits als Renneisen charakterisiert und den Kohlenstoffgehalt bestimmt, der sich an gehärtetem Material nur eingeschränkt zuverlässig erfassen lässt (Araque Gonzalez at al 2023). Die Schneide durfte in dieser ersten Untersuchung nicht beprobt werden, da zunächst die Ergebnisse dieser Analyse abgewartet werden sollten. Aufgrund des ermittelten Kohlenstoffgehalts von etwa 0,5 % C und der frühen Datierung des Fundes in das 9. Jahrhundert v. Chr. konnten wir später auch die Schneide untersuchen und gezielt prüfen, ob und inwieweit sie thermisch gehärtet worden war (Asmus et al 2026).

Sekundärelektronenaufnahme der Meißelspitze nahe der Schneide, die überwiegend sehr feinen Perlit zeigt, mit Anteilen von oberen Bainit zwischen den federartigen Kolonien des feinen Perlits. Aufnahme: Asmus.

Die neuen metallographischen Daten zeigen in der Schneide ein homogenes, sehr feines perlitisches bis perlitisch-bainitisches Gefüge mit nur geringen Ferritanteilen und ohne Martensit. Das weist auf eine beschleunigte Abkühlung hin, jedoch nicht auf ein vollständiges Abschrecken im modernen Sinn. Die Vickers-Mikrohärtemessungen zeigen einen moderaten mechanischen Gradient zwischen Schaft und Schneide. Dieser Befund ist konsistent mit einer gezielten thermischen Kontrolle während des Schmiedens, ohne dass eine Maximierung der Härte angestrebt wurde.

Ein zentraler Aspekt der Studie ist die Legierungschemie. Das untersuchte Renneisen ist manganarm, wie es für frühgeschichtliche Eisen typisch ist. Damit unterscheidet sich seine Härtbarkeit deutlich von der moderner Stähle, auf denen viele metallurgische Referenzdaten beruhen. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Referenzsysteme für die Interpretation früher Eisenartefakte nur eingeschränkt geeignet sind und dass für niedrig legierte Eisen bislang belastbare Umwandlungsdaten fehlen.

Die am Fundplatz nachgewiesenen Schlacken belegen zudem eine lokale primäre Eisenproduktion. Der Meißel ist somit Teil einer regionalen metallurgischen Praxis und kein importiertes Spezialprodukt. Zusammengenommen sprechen die Befunde dafür, dass hier etablierte bronzezeitliche thermische Arbeitsweisen bewusst auf das neue Material Eisen übertragen wurden. Die frühe Eisenmetallurgie erscheint in diesem Fall weniger als technologische Zäsur, sondern als Weiterentwicklung vorhandener handwerklicher Kompetenzen unter veränderten materiellen Bedingungen.

Hier geht es zum Fachartikel im Journal of Materials Research and Technology:

https://doi.org/10.1016/j.jmrt.2026.01.091

Die Untersuchungen fanden im Rahmen des von Ralph Araque Gonzalez geleiteten DFG Projekts „Die iberischen Stelen der Spätbronzezeit: Ikonographie, Technologie und Wissenstransfer zwischen Atlantik und Mittelmeerraum“ an der Uni Freiburg statt.

Literatur

Araque Gonzalez, Ralph, Bastian Asmus, Pedro Baptista, Rui Mataloto, Pablo Paniego Díaz, Vera Rammelkammer, Alexander Richter, Giuseppe Vintrici, and Rafael Ferreiro Mählmann. ‘Stone-Working and the Earliest Steel in Iberia: Scientific Analyses and Experimental Replications of Final Bronze Age Stelae and Tools’. Journal of Archaeological Science 152 (April 2023): 105742. doi:10.1016/j.jas.2023.105742.
 
Asmus, Bastian, Ralph Araque Gonzalez, Rui Mataloto, Marc Gener-Moret, Pablo Paniego-Díaz, and Pedro Baptista. ‘Negotiating between Iron and Bronze Traditions: The Impact of a Tool – The Chisel from Rocha Do Vigio’. Journal of Materials Research and Technology 41 (1 March 2026): 1615–29. doi:10.1016/j.jmrt.2026.01.091.

März 3 2025

Bronzeguss des Barisanus von Trani – Neuer Artikel

Bastian Asmus
This flowchart displays the principal steps of any mould making that uses lost moulds, resulting in one casting generation. It highlights those factors that contribute towards overall shrinkage and distortion of a cast object compared to its model. It is true for most casting operations in prehistoric and historical contexts and independent of the materials being used. Image: 2024 B. Asmus.

This flowchart displays the principal steps of any mould making that uses lost moulds, resulting in one casting generation. It highlights those factors that contribute towards overall shrinkage and distortion of a cast object compared to its model. It is true for most casting operations in prehistoric and historical contexts and independent of the materials being used. Image: 2024 B. Asmus.

Zu den herausragendsten Meisterwerken mittelalterlicher Gießer gehören die massiven, aber auch die zusammengesetzten Bronzetüren in Italien, Deutschland, Polen und Russland. Zusammen mit dem Team vom Gates to Paradise Projekt, haben wir eine neue Untersuchung zur Gusstechnologie der drei Türen von Barisanus durchgeführt. Die Türen von Trani, Monreale und Ravello wurden hierfür neu und mit Hilfe der Photogrammetrie vermessen     . 

Da sich an allen drei Türen die gleichen Motive finden, wurde die Reihenfolge der Herstellung der Türen in der Kunstgeschichte kontrovers diskutiert. Um so erstaunlicher war es dabei für mich, das bisher noch kein einziger Kollege die Schwindung des Metalls herangezogen, geschweige denn systematisch untersucht hat. Durch den Einsatz der Photogrammetrie können die Messungen nun relativ einfach am Computer erfolgen.

Hier geht es zum Artikel

Abstract:

The Italian 12th-century copper alloy doors of Barisanus have long been the subject of art historical studies and have recently been fully documented photogrammetrically and archaeometrically. In addition, digital twins of the three Barisanus doors in Ravello, Trani and Monreale have been produced and made available in open access for further research. These digital twins, together with the orthophotos produced, allow precise and repeatable measurements of the different metal parts of the doors, such as panels and frieze elements.

This, and by taking into account the solid shrinkage of metals during the casting process, allowed for the reconstruction of the production sequence for each of the 20 single motif panels present on all three doors, and, finally, also for the establishment of the production sequence of the three doors as a whole—heavily discussed in art history research—with rather astonishing results. Moreover, bronze casting techniques used and the use of moulds and models are discussed, painting a more detailed picture that goes beyond the often purported dichotomy of lost wax vs. sand casting.

Literatur

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Asmus, B., Fera, M. and Mödlinger, M. (2025) “Deconstructing Barisanus’ medieval casting technology based on digital twins,” Scientific Reports, 15(1), p. 7419. Available at: https://doi.org/10.1038/s41598-025-91168-9.

Dez. 5 2024

Mittelalterlicher Glockenguss: Neues Paper!

Bastian Asmus

Die faszinierende Kunst des mittelalterlichen Bronzegusses: Alte Technologien neu entdeckt

Dieser Artikel zeigt Ergebnisse aus archäologischen Experimenten zum Glockenguss. Der Schwerpunkt liegt auf Glocken aus dem frühen bis hohen Mittelalter . Die angewandte Archäometallurgie arbeitet im Schnittpunkt historischer, archäologischer und moderner wissenschaftlicher Analytik, erweitert um die praktischen Erfahrungen aus dem Gießerhandwerk. >>>Hier geht es zum Artikel.<<<

Die Rekonstruktionen basieren auf der Schedula Diversarum Artium von Theophilus Presbyter aus dem frühen 12. Jahrhundert. Seine präzisen Anleitungen waren entscheidend. Dennoch brauchte es viele Experimente und auch Fehlschläge, um den Prozess zu wieder zu beleben.

Die Experimente zur Glockengießer sind Teil eines größeren Forschungsvorhabens zu mittelalterlichen Gussmethoden in Mitteleuropa. Die Arbeit zeigt: Um alte Technologien zu verstehen, reichen Experimente oder traditionelles Handwerk allein nicht aus. Auf ein paar Tage oder Wochen angele Experimente greifen zu kurz und erfassen die Tiefe des Handwerks nicht. Es braucht Zeit, um Materialien, Werkzeuge und Techniken wirklich zu beherrschen.

Dieser Ansatz verbindet Archäologie mit praktischer Arbeit. Er hinterfragt die Methoden von Handwerk und Wissenschaft gleichermaßen. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig Praxis ist, um alte Technologien zu verstehen. So werden längst vergessene Fertigkeiten wieder lebendig.

Die Arbeit bietet einen spannenden Einblick in die Welt des Mittelalters. Sie zeigt, wie meisterhaft und innovativ die Handwerker jener Zeit waren. Eine faszinierende Kombination aus Wissenschaft und Handwerk, die Geschichte neu erlebbar macht.

Literatur

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Asmus, B. (2024) “Bridging the Past and Present by Skill: Exploring Medieval Bell Casting by Experiment,” Historical Metallurgy, 54(2), pp. 85–102. Available at: https://doi.org/10.54841/hm.667.

 


Apr. 19 2024

Renaissance Kunstguss: Neuer Artikel!

Bastian Asmus

Ein neuer Artikel über die Gießereitechnologie der Renaissance wurde gerade veröffentlicht. Hier untersuchen wir sowohl die chemische Zusammensetzung der verwendeten Legierungen als auch die Primärquellen bezüglich der Herstellung der “Schwarzen Mander” des Grabmals von Kaiser Maximilian I.”

Image of the calculated wall thickness of the of Theoderic the great, based on the mass of the statue.
Reconstruction of Renaissance Casting methods.
Rekonstruktion des Renaissance Kunstguss. Unter anderem wurde die durchschnittliche Dicke von Theoderich dem Großen auf der Grundlage seines Gewichts berechnet.”

Der gesamte Artikel ist als open acces Artikel hier erhältlich https://doi.org/10.1007/s40962-024-01299-4

Die 28 “Schwarzen Mander” gehören zweifellos zu den prächtigsten was der Renaissance Kunstguss hervorgebracht hat. Die monumentalen Messingstatuen der Renaissance wurden vom Heiligen Römischen Kaiser Maximilian I. für sein Grabmal zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Auftrag gegeben. Sie wurden allerdings erst mehr als 30 Jahre nach dem Tod des Kaisers fertiggestellt und sind nun Teil seines Kenotaphs in der Hofkirche in Innsbruck. Die Überarbeitung der Originalmanuskripte und Briefe, die zwischen Maximilian I. und den verschiedenen Künstlern ausgetauscht wurden, erhellt den Herstellungsprozess und die Herausforderungen, denen die Künstler bei der Herstellung der Statuen gegenüberstanden. Darüber hinaus wurden die Legierungen, die bei der Herstellung der Statuen verwendet wurden und nun alle durch Patinierungsprozesse geschwärzt sind, durch nicht-invasive chemische Analysen aller Statuen identifiziert.”

Introduction

The 28 Schwarze Mander are without a doubt amongst the most stunning brass statues of the Renaissance period. They were commissioned by Maximilian I, the Holy Roman Emperor, for his funeral monument in the early 16th century but took over 30 years to complete after his death. Originally, the emperor wanted 40 statues of ancestors and saints of the Habsburg family and 100 statuettes of other saints associated with the House of Habsburg, as well as a sarcophagus for the emperor himself. In the end, 28 statues (Table 1), 23 statuettes and 34 busts of emperors (of which only 21 have survived) were created. The sarcophagus was replaced by a cenotaph with the kneeling statue of Maximilian I, the four virtues and 24 marble reliefs. Maximilian I, at the end, was buried in Wiener Neustadt.

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Literatur

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Mödlinger, M., Asmus, B. and Ghiara, G. (2024) ‘The “Schwarze Mander” of the Court Church in Innsbruck, Austria: Manufacture and Production of Monumental Brass Statues in the Renaissance’, International Journal of Metalcasting [Preprint]. Available at: https://doi.org/10.1007/s40962-024-01299-4.

Feb. 14 2023

Spätbronzezeitliche Steinbearbeitung und ältester Stahl der Iberischen Halbinsel

Bastian Asmus
Bronzezeitliche Stele aus Baracal, Portugal. Mit Schwert, Schild und Lanzendarstellung

Bronzezeitliche Stele aus Baracal in Portugal. Zu sehen sind Lanze, Schild und Schwert.

Soeben ist unser neuester Artikel zur spätbronzezeitlichen Steinbearbeitung erschienen. Der Artikel befasst sich mit der Charakterisierung und Herkunft der bearbeiteten Stelen, sowie mit den Möglichkeiten diese herzustellen. Unser Projekt, initiiert von Ralph Araque Gonzalez von der Uni Freiburg,  hat hierfür neben der archäometrischen und archäologischen Untersuchung der Funde mit den Methoden der experimentellen Archäologie eine Hypothese formuliert, wie diese Stelen entstanden sein könnten.

Hierbei identifizierten wir den ältesten bekannten Stahl der Iberischen Halbinsel (10.-8. Jh. v. Chr.). Das Bild zeigt die kohlenstoffreichste Partie des Meißels, mit einem Kohlenstoffgehalt von etwa 0.75% C. Der Meißel ist heterogen zusammengesetzt und weist auch Bereiche mit etwa 0,2% C  auf. Mehr dazu im verlinkten Artikel.

Der Artikel ist hier abrufbar: https://authors.elsevier.com/c/1gZzA15SlTyzU9

Eine metallogrphische Aufnahmen des Meussels von Rocha do Vigio. Bildbreite 240µm. Nital. Der Aussdchnitt zeigt die kohlenstoffreichste Partie des Meissels mit etwa 0.75 % C-
A metallographic cross section of the steel chisel from Rocha do Vigio, Portugal, dated to 900BC.
The section is 240µm in length and shows for the most part, i.e. for about 90 % of the area pearlite with  the remainder being allotriomorphic ferrite. This translates to about 0.75% carbon contents.

This section basically only shows pearlite with very little allotriomorphic ferrite. Carbon content is calculated to be aorund 0.75% C.

Literatur

Araque Gonzalez, R., Asmus, B., Baptista, P., Mataloto, R., Díaz, P.P., Rammelkammer, V., Richter, A., Vintrici, G., Ferreiro Mählmann, R., 2023. Stone-working and the earliest steel in Iberia: Scientific analyses and experimental replications of final bronze age stelae and tools. Journal of Archaeological Science 152, 105742. https://doi.org/10.1016/j.jas.2023.105742