Bronzetüren: Mittelalterlicher Monumentalguss zwischen Technik und Werkstattpraxis – neue Artikel!

Monumentale Bronzetüren des Hochmittelalters werden meist vor allem kunsthistorisch diskutiert. Ihre technische Seite bleibt dabei häufig nur ausschnitthaft erschlossen. Zwei eng miteinander verbundene Studien widmen sich genau dieser Lücke und untersuchen die großen Bronzetüren von Hildesheim, Mainz und Augsburg aus material- und gießtechnischer Perspektive.
Die erste Studie betrachtet alle drei Bronzetüren vergleichend (Mödlinger et al 2026). Auf Grundlage chemischer Analysen und technischer Fragestellungen werden Legierungswahl, Gussstrategie und praktische Umsetzbarkeit diskutiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bronzetüren weder technisch homogen noch als singuläre Ausnahmewerke zu verstehen sind. Vielmehr spiegeln sie jeweils spezifische Entscheidungen, Zwänge und Prioritäten innerhalb der mittelalterlichen Gießerei wider.
Die zweite Studie konzentriert sich auf die Hildesheimer Bronzetüren und legt den Schwerpunkt stärker auf prozessuale Aspekte (Cziegler et al 2025). Mithilfe von Gusssimulationen lassen sich thermische Abläufe, Erstarrungsfolgen und potenzielle Risikozonen während des Gusses eingrenzen. Diese Modelle ersetzen keine historischen Quellen. Sie erlauben jedoch, technisch plausible Abläufe von unwahrscheinlichen zu trennen und mögliche Werkstattpraktiken einzugrenzen.
Bronzetüren und ihre Fertigung: Methodischer Ansatz
Zentral ist dabei der methodische Ansatz. Ziel ist es nicht, historische Gießprozesse so zu beschreiben, als wären sie direkt beobachtet worden, oder moderne metallurgische Konzepte rückwirkend auf das Mittelalter zu übertragen. Stattdessen geht es darum, den damaligen Wissenshorizont zu erfassen und zu fragen, welche technischen Konzepte, Erfahrungswerte und Lösungsstrategien überhaupt zur Verfügung stehen konnten.
Der Zugriff erfolgt bewusst chronologisch von unten nach oben. Nicht im Sinne einer hierarchischen Entwicklung, sondern ausgehend von Materialeigenschaften, Prozesszwängen und handwerklichen Routinen. Auf dieser Grundlage lassen sich plausible Hypothesen formulieren, wie sich gießtechnische Praxis entwickelte und wie konkrete Herausforderungen bewältigt wurden. Diese Hypothesen sind bewusst offen angelegt. Sie sollen den Interpretationsraum eingrenzen, nicht abschließen.
Zusammenarbeit mit Gapamet Projekt
Beide Arbeiten entstanden im Kontext einer engen Zusammenarbeit mit dem Gates to Paradise Project GAPAMET-Projekt , das sich der interdisziplinären Erforschung mittelalterlicher Bronzetüren widmet. In den vergangenen zwei Jahren hat unser Labor eng mit dem Team um Marianne Mödlinger, der Projektleiterin von GAPAMET, zusammengearbeitet. Diese Kooperation bildete den Rahmen für viele der materialwissenschaftlichen und gießtechnischen Fragestellungen der beiden Studien.
Weitere Informationen zum Projekt:
https://www.gapamet.imareal-sbg-ac-at/en/
Hier findet sich ein thematisch verwandter Beitrag aus dieser Zusammenarbeit, der in ein eigenes Paper (Asmus et al 2025) ganz speziell zu den Werkstattpraktiken mündete.
Artikel
Die beiden Artikel sind hier zugänglich:
https://doi.org/10.1007/s40962-025-01857-4
https://doi.org/10.1007/s40962-025-01820-3





